Mátraházi hat den letzten Kampf verloren

veröffentlicht am3. August 2022 » 573 Views»
verfasst von Thomas Willmann – Schweriner Volkszeitung
Die Nachricht vom Tod von Csaba Mátraházi erreichte Bert Compas im Urlaub. „Das ist sehr traurig. Er hat ja alles aufgebaut. Ich hätte ihn gerne weiter am Mattenrand gesehen, in der Hoffnung, dass ihn begeistert, was seine Nachfolger für das Ringen in Lübtheen auf die Beine stellen“, tut sich der Vorsitzende des RV Lübtheen ebenso wie alle Mitstreiter im Verein schwer, die richtigen Worte zu finden.

Ohne das Wirken Mátraházis hätte der Ringkampfsport in Lübtheen nie die heutige Popularität erreicht. Für sein ehrenamtliches Engagement und sein sportliches Lebenswerk wurde er 2014 vom Kreissportbund (KSB) Ludwigslust-Parchim mit dem KSB-Oskar ausgezeichnet.
Die Erfolgsgeschichte begann 1968, als der dreimalige ungarische Landesmeister seinen Wohnort nach Lübtheen verlegte. Dem studierten Germanisten ging es von Anfang an darum, neben der Arbeit als Lehrer für Deutsch und Russisch auch seine sportlichen Erfahrungen als Trainer weiterzugeben.
Er tat das so überzeugend, dass die ersten Erfolge nicht lange auf sich warten ließen. Die mecklenburgische Kleinstadt entwickelte sich schnell zu einer Ringerhochburg und einem offiziellen DDR-Nachwuchszentrum für den Leistungssport.

Hunderte von Kindern und Jugendlichen haben das Ringer-ABC auf Lübtheener Matten erlernt. Die Zahlen sprechen für sich. Von 1969 bis 1990 gingen 21 DDR-Meistertitel, neun Einzelsiege bei der zentralen Spartakiade und weitere 13 Titel bei den so genannten kleinen DDR-Meisterschaften, das waren die Titelkämpfe der damaligen Betriebssportgemeinschaften, in die Lindenstadt.

Auch zahlreiche Delegierungen an die großen Sportschulen und Clubs unterstreichen die Qualitäten der Lübtheener Ringerschule unter Leitung von Csaba Mátraházi. So wurden André Backhaus und Heiko Geffke in der Leipziger Talentschmiede Jugend-Weltmeister und Junioren-Europameister beziehungsweise Vize-Europameister der Junioren. Als die ehrenamtliche Tätigkeit immer aufwendiger wurde, bekam Mátraházi mit Helmut Stahl einen seiner ersten Schützlinge als hauptamtlichen Trainer zur Seite gestellt.
„Für mich als junger Ringer war Csaba damals mehr der Vereinschef und Helmut Stahl mein Trainer“, erinnert sich Bert Compas. Eine Anekdote im direkten Kontakt mit „Herrn Mátraházi“ hat er sofort parat. Compas und drei Vereinskameraden hatten sich für die DDR-Meisterschaften qualifiziert. Die Neuntklässler sollten von einem Schulferienlager in Schwerin aus mit dem Zug nach Wittenberge fahren, wo sie von Mátraházi mit gepackten Ringersachen erwartet wurden. Doch die Vier sind in einen falschen Zug eingestiegen. Compas klingeln in Erinnerung an diese Episode immer noch die Ohren. „Damals war das für uns ganz schön krass, heute schmunzeln wir darüber.“

In den ersten Wendejahren übergab Csaba Mátraházi das ehrenamtliche Traineramt an Jens-Peter Sievertsen, der bis heute die Bundesliga-Mannschaft des RV Lübtheen als Cheftrainer betreut. Auch viele weitere ehemalige Mátraházi-Schützlinge bringen sich aktiv im Verein ein. Er selbst blieb seinem Ringkampf treu, führte noch über mehrere Jahre die Finanzgeschäfte des RVL und stand auch in der Ringerhalle noch mit Rat und Tat zur Seite. Seine Meinung als Berater war stets gefragt.

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