Wenn der Ringkampf einen wieder auf die Matte ruft

Published On 15. April 2016 » 1638 Views»

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verfasst von Csaba Mátraházi

raeck-portraitEin aktiver Ringer zieht sich gewöhnlich erst mit 30 – 40 Jahren aus dem Wettkampfgeschehen und oft aus dem Trainingsbetrieb zurück. Der Nachwuchs ist zu stark, die eigenen Knochen melden sich mit Schmerzen. Manch einer wird dann Übungsleiter, Betreuer oder eben passives, aber treues Mitglied des Vereins. Mit Wolfgang Raeck (53) verlief es anders.

Wolfgang, „Wölfi“ verschrieb sich dem Ringkampf bereits mit 6 Jahren. “Angesteckt“ wurde er von seinem zwei Jahre älteren Bruder Matthias. Beide entwickelten sich zu geschickten jungen Ringern. Wolfgang holte zweimal Silbermedaille bei der Zentralen Spartakiade, der größten Leistungsschau im Nachwuchsbereich des DDR und erkämpfte im weiteren zwei Mal Bronze bei den DDR-Meisterschaften.

w-raeckSein Bruder wechselte zur Kinder- und Jugendsportschule nach Leipzig.Wolfgang folgte ihm zwei Jahre später als 13-Jähriger in die sächsische Metropole. An der Sportschule in Leipzig trainierten zu dieser Zeit mehr Lübtheener als einheimische Sportler!
Vier Jahre Leistungssport formte den fleißigen Jugendlichen zu einem versierten Ringer. Nach einem beachtlichen zweiten Platz bei der Zentralen Spartakiade im Jugendbereich kehrte Wolfgangals gelernter Schlosser in seine Heimatstadt Lübtheen zurück. Die Volksarmee suchte zu dieser Zeit dringend nach Berufssoldaten, die ihre strengen Voraussetzungen erfüllten. So begann seine Laufbahn in der Reihe der DDR-Armee. Die Verbindung zum Ringkampf brach ab, es gab für ihn keine Möglichkeit, regelmäßig zu trainieren.

Nach der Wende musste sich Wolfgang beruflich verändern. Der Sport blieb weiterhin im Hintergrund. Als er dann in jungen Jahren eine Familie gründete, war es mit einem sportlichen Neubeginn endgültig vorbei. Aber die langen Jahre beim Ringen, die eine Hälfte seines Lebens einst ausgefüllt haben, weckten in ihm doch den Wunsch,wieder einmal auf der Matte zu stehen, nicht mehr als Aktiver, sondern als einer der trainierenden Ringer zu werden.

Mit 50 Lenzen neu anfangen? Die Familie – Ehefrau und drei erwachsene Kinder – belächelten still das Vorhaben. Nach Arbeitsschluss von dem fast 30 km entfernten Wohnort zum Training nach Lübtheen? Das wird ein rasches Ende nehmen – aber weit gefehlt. Bereits seit drei Jahren ist Wolfgang freitags regelmäßig in der Ringerhalle anzutreffen. Er trainiert mit der jungen Ringergeneration zusammen und gibt seine reichen Erfahrungen gern weiter. Die Rückkehr zur der vertrauten Matte ist ihm vollständig gelungen.

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