Sie dürfen für den großen Wurf üben

veröffentlicht am4. Mai 2021 » 659 Views»

verfasst von Thomas Willmann – Schweriner Volkszeitung

Seit gut einem Monat herrscht wieder Bewegung in der Trainingshalle des Ringervereins Lübtheen. Auch wenn das längst nicht für alle der gut 40 jungen Sportler gilt, die hier normalerweise das Matten-ABC erlernen. Chef-Trainer Jens-Peter Sievertsen (55), seit 40 Jahren in der Lindenstadt als Übungsleiter aktiv, darf aber zumindest mit seinen Landeskadern arbeiten. Das Hygienekonzept ist mit der Stadt abgestimmt und vom Gesundheitsamt des Landkreises abgenickt.

An diesem Nachmittag sind von den insgesamt elf jungen Kadersportlern des RVL nur drei aufgelaufen. Leon Hahn (17), sein Cousin Justin Hahn (13) und Khalid Jahaswan (16). Leon und Justin besuchen seit drei beziehungsweise einem Jahr die Sportschule in Luckenwalde. Da das dortige Internat aber noch nicht wieder öffnen darf, sind sie in der Heimat gestrandet. „Nach fünf Monaten Pause zumindest wieder trainieren zu dürfen ist gut, aber auch anstrengend. Ich merke, dass mir richtig viel an Ausdauer fehlt, aber auch an Kraft“, räumt Leon ein, der 2017 als B-Jugendlicher DM-Bronze gewann. Die norddeutsche Meisterschaft im März 2020 war sein letztes Turnier als A-Jugendlicher. Um die Chance, bei den deutschen Meisterschaften vielleicht erneut nach Edelmetall zu greifen, wurde Leon durch den corona-bedingten Ausfall gebracht. Jetzt gehört er altersmäßig zu den Junioren und muss sich dort neu beweisen.

Kaderathleten des Lübtheener Ringer-Nachwuchses können trainieren

„Das Niveau ist zurückgegangen, ganz klar: Das betrifft Athletik, Fitness, Kondition, aber auch die ringerspezifischen, technischen Abläufe“, hält Sievertsen fest. Es werde schon eine Weile in Anspruch nehmen, bis alle wieder ihren zuvor sehr ordentlichen Leistungsstand erreicht hätten. „So gut wie möglich wieder reinkommen“, lautet dementsprechend das Motto von Khalid. „Ich hoffe, dass ich jetzt nicht auch noch mein letztes A-Jugend-Jahr verliere, nachdem schon 2020 nichts ging.“

Jetzt geht es zur Sache. Zur Erwärmung ist Basketball angesagt. Zwei gegen Zwei. Auf der Ringermatte. Kein leichtes Unterfangen. Der Trainer ist voll dabei – mit Maske wohlgemerkt – und feiert an der Seite von Justin einen knappen Sieg. Lange Verschnaufen ist nicht. Sievertsen erntet mit seiner Ansage „Tonnenrollen“ nicht gerade Begeisterung. Der Beobachter merkt schnell warum. Die geforderten 90 Sekunden können bei dieser Übung, bei der das Trio springend und mit Seitwärtsrollen ständig mit Tempo in Bewegung ist, ganz schön lang werden. „Ich spüre meine Beine nicht mehr“, kommentiert Justin sichtlich geschafft. Beeindrucken kann er den Trainer mit dieser Aussage nicht. Die nächsten Aufgaben lassen nicht lange auf sich warten. Am Ende der Trainingseinheit wissen die drei Jungs, was sie getan haben.

Und wie geht es nun weiter? „Das steht in den Sternen, ist alles offen“, sagt Jens-Peter Sievertsen mit Blick auf das Wettkampfgeschehen im Jugendbereich. Eine Reihe von Vereinsturnieren sei schon abgesagt worden. Das betrifft auch das eigene, traditionelle Mai-Turnier. Ein konkretes Ziel hat man beim RVL für dieses Jahr allerdings ins Visier genommen. „Wir wollen gerne zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft der Schüler fahren. Wir können da ein gutes, in allen Gewichtsklassen ausgeglichen besetztes Team stellen.“ Diese Meisterschaft ist vom ursprünglich geplanten Termin im Mai auf den Oktober verlegt worden.

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